Naturnahe Regenwasserbewirtschaftung
Regenwasser ist ein kostbares Gut. Es lässt Pflanzen gedeihen, füllt die Grundwasservorräte auf und beeinflusst das Klima positiv. Es kann aber auch Wege wegschwemmen, Keller über- fluten und zu Hochwässern anschwellen.Schon seit mehreren tausend Jahren haben die Menschen deshalb versucht, durch technische Maßnahmen die Vorteile des Regenwassers nutzbar zu machen und dessen Schädigungen in Grenzen zu halten.
In unseren Städten wurde zum Ende des 19. Jahrhunderts die Kanalisation errichtet, um das Schmutz- und Regenwasser möglichst schnell und vollständig aus den Siedlungsgebieten über die Kanalisation zu entfernen. Die zunehmende Flächenversiegelung und die schnelle Ableitung des Regenwassers führen jedoch zu den heute bekannten Problemen. Zunehmende Versiegelung bedeutet geringere Grundwasserneubildung und Vermehrung der Oberflächenabflüsse, Ableitung über die Kanalisation bedeutet eine starke Beschleunigung der Regenwasserabflüsse. Zusammen mit der Begradigung der Bäche und Flüsse führt die fehlende Rückhaltung im Gelände und Grundwasser zur Konzentration und Überlagerung von Abflussspitzen. So entstehen zuneh- mend mehr Hochwasserereignisse in Gewässern, was nicht zuletzt stark zunehmenden volkswirtschaftliche Kosten verursacht. In den letzten 50 Jahren hat sich die Schere im Abflussregime dramatisch geöffnet: Waren im Jahre 1950 lediglich 10% der Flächen in Deutschland versiegelt, so hat sich dieser Anteil bis zum Jahr 2000 auf 20% verdoppelt. Zudem verschärfen die Auswirkungen der klimatischen Veränderungen diese Tendenz: Durch die zunehmende Erwärmung nehmen Starkregenereignisse zu, während parallel dazu Trockenperioden länger und ausgeprägter werden.
Um diesen Tendenzen entgegenzuwirken, wurde in den letzten Jahren die naturnahe Regenwasserbewirtschaftung weiterentwickelt und mit Erfolg angewandt.
Ziele der naturnahen Regenwasserbewirtschaftung
• Erhöhung der Grundwasserneubildung
• Verringerung der Niederschlagswasserabflüsse in den öffentlichen Entwässerungsanlagen und den Gewässern
• Verlangsamung der Niederschlagswasserabflüsse
• Verringerung des Hochwasserrisikos
• Erreichung einer weitgehenden Nachhaltigkeit in der Wasserwirtschaft
• Verringerung der Investitions- und Betriebskosten
Wege der naturnahen Regenwasserbewirtschaftung
• Förderung der natürlichen und technischen Versickerung von Niederschlagswasser
• Förderung der Regenwassernutzung
• wo möglich, ortsnahe Einleitung von Niederschlagswasser in offene Gewässer
• Verlangsamung der Niederschlagswasserabflüsse, z. B. durch naturnah gestaltete Rinnen mit Hindernissen (z. B. grobe Steine) sowie Rückhalteanlagen in den Entwässerungsanlagen
• Rückbau von ausgebauten Gewässern in den natürlichen oder naturnahen Zustand. Dies bewirkt neben der Verlangsamung des Abflusses eine Zunahme an Pflanzen und Tieren im Gewässerraum und damit eine Verbesserung der Selbstreinigungskräfte und des Wiederbesiedlungspotentials im Gewässer
• Bewusstseinsbildende Maßnahmen zum nachhaltigen Umgang mit Niederschlagswasser
• Schaffung von Gebührenanreizen für Regenwassernutzung und -versickerung
Mögliche Maßnahmen für Betreiber von Entwässerungsanlagen
• Erstellen einer Versickerungspotentialkarte, die flächendeckend die Möglichkeiten der Versickerung darstellt
• Bereiche darstellen und publizieren, in denen Versickerungsanlagen bestimmter Bauart errichtet werden können
• Förderung der Entsiegelung, Regenwasserversickerung, Regenwassernutzung und ortsnaher Einleitung in offene Gewässer
• objektbezogen lässt sich die Regenwasserbewirtschaftung vor Ort optimieren, was sich häufig auch wirtschaftlich als Einsparung an Entwässerungsanlagen, Rückhaltevolumina und Energieaufwand bezahlt macht
• Schaffung von Anreizen für Varianten der naturnahen Regenwasserbewirtschaftung in der Entwässerungsgebührensatzung, Erleichterung bei der Befreiungen vom Anschluss- und Benutzungszwang
• Öffentlichkeitsarbeit
Auswirkungen der naturnahen Regenwasserbewirtschaftung
Nach Untersuchungen der ITWH Hannover kann bei einem erreichten Abkoppelungsgrad von 20 % eine Einsparvolumen an Rückhaltevolumen von 25 % erreicht werden.
Bei einem Modellprojekt in Hameln/Tündern konnten die Investitionskosten für die Entwässerung durch ein umweltverträgliches Entwässerungskonzept um 66 % reduziert werden.
Nach einer Untersuchung aus Berlin könnten in hochverdichteten Stadtteilen durch flächendeckende Anwendung der Regenwassernutzung 7-12% des Trinkwassers ersetzt werden, dabei könnten die jährlich abfließende Regenwassermenge in der Mischwasser- kanalisation um 31% reduziert und die Spitzenabflüsse um 17-19% gekappt werden.
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